Ich habe mir fest vorgenommen mit jedem hier gut auszukommen, was mir bis jetzt auch ganz gut gelungen ist.
Aber der Tscheche hat es geschafft: 12 Tage nach seiner Ankunft hasse ich ihn mitsamt seinem Degree in Agriculture. Er braucht in der früh im Bad noch länger als der Georg. Wenn wir einkaufen gehen, kauft er für 15 Dollar ein, was soviel bedeutet, dass er für etwa zwei Tage genug hat und dann beginnt er sich mit Essen durchzuschnorren. Kann ich das haben, kann ich das haben. Er schnorrt nicht nur mich an, sondern auch meine ecuadorianischen Freunde, was michh noch mehr ärgert, verdient er doch 25 cents pro Stunde mehr als ich. Als er angekommen ist habe ich ihn eingeladen auf ein Sandwich (das teuerste in der Umgebung) und auf ein paar Bier. Solche Gesten beruhen auf Gegenseitigkeit, aber von ihm kann man das anscheinend nicht erwarten. Ständig kommt er und will meinen Computer benutzen um seiner Amnesty International Freundin ein eMail zu schreiben. Ich hasse diese Leute, die sich nur die Rosinen rauspicken. Ich kann ihn nicht mehr sehen.
Wieso kann er nicht sein wie Javier, Miguel und Jorge. Mit den dreien verstehe ich mich echt wunderbar. Einmal pro Woche koche ich für uns alle, dafür gehen wir, wenn wir zur Wäscherei fahren gemeinsam Essen und sie laden mich ein.
Gestern war ich mit Petr in der Wäscherei. Er ist jetzt zwölf Tage hier, ich war seit 10 Tagen nicht mehr in der Wäscherei. Er hatte lediglich ein kleines Einkaufssackerl mit Schmutzwäsche. Allein meine Unterwäsche hätte nicht da reingepasst. Ich hab keine Ahnung, wie er das macht und ehrlich gesagt will ich es gar nicht wissen. Jedenfalls bin ich zum Schluss gekommen, dass dieser Petr ein sehr eigenartiger Mensch ist und ich ihn nicht sonderlich mag.
Eran hat das auch schon bemerkt, er hat mich gefragt ob ich ihn nicht mag, weil die ersten Tage haben wir viel zusammen gearbeitet und jetzt such ich mir immer Jobs, getrennt von ihn. Ich hab ihm nur gesagt, dass 24 Stunden Petr zuviel für mich ist.